Amnesty International Hochschulgruppe Leipzig

Impressum | Login

Hochschulgruppe Leipzig

StartseiteMenschenrechtsverletzungen in Pakistan

Jawad mit Unterstützern aus Deutschland

08.12.2015

Menschenrechtsverletzungen in Pakistan

Eine unvergessliche Begegnung

Wenn ihr ein bisschen unsere Arbeit als Hochschulgruppe verfolgt, werdet ihr Euch vielleicht gefragt haben, wie wir auf Themen stoßen und über Menschenrechtsverletzungen erfahren. In den meisten Fällen informieren wir uns über interne Seiten von Amnesty International zu Menschenrechtsthemen oder beteiligen uns an überregionalen Amnesty-Kampagnen.

Doch dieses Mal war es anders: ein junger Mann wartet nach unserem Infoabend im November auf uns. Ob wir Zeit haben? Natürlich. Ich stelle mich schon auf typische Fragen zu Petitionen, Plenum usw. ein. Doch es kommt anders.

Jawad Muhammad, politisch verfolgter Flüchtling aus Pakistan

"Hallo, mein Name ist Jawad und ich komme aus Belutschistan.", stellt sich der junge Mann fast schüchtern vor. Belutschistan - was und wo soll das denn sein? Die Geschichte, die uns Jawad (29), Diplom in Informatik und Vater von fünf Kindern, dann erzählt, ist unglaublich.

Seit fast eineinhalb Jahren wartet er in Deutschland auf eine Entscheidung zu seinem Asylantrag. doch er ist nicht vor Krieg oder Hunger geflohen, sondern weil in seinem Heimatland Menschen entführt, gefoltert und getötet werden, wenn sie ihre Meinung laut sagen. Als Aktivist für die Baloch Republican Party hat er erlebt, wie deren Anführer 2007 vom pakistantischen Militär in die Luft gesprengt wurde. Jawad selbst traute sich aufgrund seines politischen Engagements irgendwann nicht mehr in sein Heimatland zurück. Er hat eine Frau und kleine Kinder - das Risiko zu bleiben, wurde zu groß. So musste er nach Europa, nach Deutschland, fliehen. Warum ist es dazu gekommen?

Belutschistan - eine vergessene Region

Belutschistan ist die an Bodenschätzen reichste Region Pakistans, doch die Menschen dort sind die Ärmsten der Armen. Seit dem Ende der Kolonialzeit strebt das Land nach Unabhängigkeit, doch Pakistan ergriff 1948 unter den Augen der Weltgemeinschaft seine Chance und annektierte die Region.

Seitdem entscheidet das pakistanische Militär über Recht und Ordnung in Belutschistan. Jeder Versuch der Belutschen, ihre Unabhängigkeit zurückzuerlangen - friedlich oder mit Gewalt - ist über die Jahrzehnte erfolglos geblieben.

Schlimmer noch: jede Partei, Vereinigung oder Studentenverbindung, die sich für die Freiheit Belutschistan oder auch nur für die Rechte der Belutschen einsetzt, wird verboten und ihren Mitgliedern widerfährt eine brutale Verfolgung. Das Recht auf freie Meinungsäußerung, das Recht auf Bildung und viele weitere Menschenrechte werden dabei mit Füßen getreten.

Mittlerweile wurden über 20.000 Männer und Frauen, die sich für die Rechte der Belutschen einsetzten, vom pakistanischen Militär entführt. Die Familien werden über Jahre über den Verbleib ihrer Angehörigen im Dunklen gelassen. In den seltensten Fällen tauchen die Verschwundenen wieder auf - doch dann tot und mit Spuren von Folter in einem abgelegenen Straßengraben.

Im Internet versuchen belutschesche AktivistInnen, Aufmerksamkeit auf diese und ähnliche Geschehnisse zu lenken, und fordern die Freilassung der Verschwundenen.

Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß

Schockierender Weise weiß in Europa und Deutschland kaum jemand um diesen Konflikt, obwohl die Anzahl der Asylsuchenden aus Belutschistan immer größer wird. Im sicheren Hafen Europa versuchen sie nun, die internationale Gemeinschaft auf die Lage ihres Landes und ihres Volkes aufmerksam zu machen.

Jawad gehört zu diesen Menschen, der eine lange und gefährliche Flucht mit seiner Familie auf sich genommen hat, um nicht auch Opfer der Verfolgung durch das pakistanische Militär zu werden.

In Deutschland ist er nun Generalsekretär der deutschen Sektion seiner Partei sucht Unterstützer, um auf die prekäre Menschenrechtssituation in seinem Land aufmerksam zu machen.

Dabei, betont er, möchte er gerade nicht als Parteifunktionär oder Unabhängigkeitskämpfer auftreten. "Wir sind ein friedliches und offenes Volk. Uns ist nicht wichtig, welche Religion ein Mensch hat oder wo er her kommt. Wir wollen nur, dass unsere Menschenrechte gewährleistet werden.", bringt er sein Anliegen auf den Punkt.

Die Hochschulgruppe Leipzig für Pakistan

Wir, als Hochschulgruppe einer der größten Menschenrechtsorganisationen der Welt, wollen Jawad unterstützen und den Menschen in Pakistan und Belutschistan helfen.

Wir möchten hiermit und mit einer Vielzahl von Aktionen im kommenden Jahr unsere ureigenste Verantwortung und Aufgabe als Amnesty International Gruppe wahrnehmen: denen helfen, die keine Stimme haben, denjenigen ein Gesicht geben, die niemand sieht und an diejenigen erinnern, die vergessen sind.

Kommt zahlreich zu unserer Veranstaltungsreihe zu Belutschistan vom 11. zum 15. April 2016, informiert Euch auf amnesty.de und setzt Euch mit uns ein für die Menschenrechte in Pakistan.