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StartseiteEröffnungsveranstaltung „Unsichtbare Opfer – Migrant*innen auf ihrem Weg durch Mexiko“

Die Referentin Nadja Barrientos

Rückblick auf die Eröffnungsveranstaltung „Unsichtbare Opfer – Migrant*innen auf ihrem Weg durch Mexiko“

Unfälle beim Aufspringen auf den Zug, Raub, Entführungen durch Banden, Vergewaltigungen, Menschenhandel, willkürliche Verhaftungen – bei der Eröffnung der Veranstaltungsreihe „Flucht und Asyl“ beschrieb Nadja Barrientos von der Amnesty International Mexiko- und Zentralamerika-Koordinationsgruppe die Schrecken, mit denen Migrant*innen auf ihrem Weg durch Mexiko zu kämpfen haben. Bebildert wird der Alltag dieser Menschen durch die Fotoausstellung „Unsichtbare Opfer - Migrantinnen und Migranten auf ihrem Weg durch Mexiko“, die vom 28. Oktober bis 21. November auf dem Campus Augustusplatz zu sehen ist.

BesucherInnen bei der Ausstellungseröffnung

Als „gefährlichste Route der Welt“ wird der Weg der Migrant*innen durch Mexiko bezeichnet. Etwa 100.000 bis 200.000 Südamerikaner*innen machen sich jährlich auf den Weg in Richtung USA – dort kommen Schätzungen zufolge jedoch nur zwei von zehn Migrant*innen an. Oft ist ihnen vorher gar nicht bewusst, wie lang der Weg durch Mexiko ist, nämlich circa. 4.000 Kilometer. Viele dieser Menschen reisen auf dem Dach eines Zuges, den sie „La Bestia“ nennen. Sie stellen sich an die Gleise und springen auf, wenn der Zug an ihnen vorbeifährt. Dabei entsteht jedoch ein extremer Sog, der einem Menschen leicht die Beine wegreißen und ihn unter den Zug reißen kann. Solche Unfälle geschehen vor allem im Süden Mexikos oft, weil die Reisenden dort noch nicht so geübt im Aufspringen sind. Außerdem mischen sich Mitglieder der Banden Los Zetas und der Maras unter die auf dem Zugdach sitzenden Migrant*innen und überfallen sie während der Reise. Da der Weg zu Fuß noch beschwerlicher ist und die Busse sehr stark kontrolliert werden, reisen trotz der vielen Gefahren etwa 15 bis 20 Prozent der Migrant*innen mit dem Zug.

Raub und Entführungen durch Banden nehmen insgesamt immer mehr zu. Deren Mitglieder entführen die Migrant*innen und erpressen die Angehörigen – wer keine Verwandten hat oder keinen Kontakt zu ihnen herstellen kann, wird umgebracht. Die Migrant*innen werden aber auch von den Drogenkartellen missbraucht; weltweit bekannt wurde 2010 ein Massakeran 72 Südamerikaner*innen, die sich weigerten, für die „Zetas“ Drogen zu schmuggeln.

Interessierte beim Infostand

Warum machen sich die Migrant*innen trotz all dieser Gefahren auf den Weg in die USA? Laut Nadja Barrientos ist es nicht wie oft suggeriert der „amerikanische Traum“, sondern reale Existenznöte in den Heimatländern. Die Referentin schildert den Fall einer Bäckerin, die das von ihr verlangte „Schutzgeld“ nicht zahlen konnte und deren Bäckerei deshalb angezündet wurde. So machen sich viele Menschen aus reiner Perspektivlosigkeit immer wieder auf dem Weg, auch wenn sie mehrmals scheitern oder aus den USA abgeschoben werden. Es sind auch nicht die Ärmsten, die sich auf die Reise machen: Immerhin braucht man schätzungsweise 6.000 Dollar für die Durchquerung Mexikos, wobei sich die Summer durch die hohe Bezahlung für Schleuser – sogenannte „Coyotes“ – stark erhöhen kann.

Längst nicht alle haben Familie und sind in Mexiko oder später in den USA ganz auf sich allein gestellt. Hinzu kommt, dass die allein reisenden Migrant*innen immer jünger werden, viele von ihnen fallen dem Menschenhandel zum Opfer. Ein Problem ist auch, dass sich die Migrationspolizei oft selbst an den Migrant*innen bereichert. Immerhin gilt es inzwischen nicht mehr als Delikt, ohne Papiere durch Mexiko zu reisen, daher ist es den Migrant*innen nun möglich, Anzeige zu erstatten.

Ogranisatorin Mareen mit der Referentin

Hoffnung und Sorge – irgendwo dazwischen verortet Nadja Barrientos die Stimmung in den Herbergen. Mittlerweile gibt es 52 dieser Einrichtungen – sowohl Herbergen als auch „Comedores“, in denen zwar keine Übernachtung möglich ist, wo die Migrant*innen aber mit Essen versorgt werden. Diese Häuser sind oft ein Ort der Ruhe, in die auch die Polizei nicht eintreten darf (was aber leider trotzdem schon vorkam). Die Herbergen werden vor allem von der mexikanische Bevölkerung unterstützt, beispielsweise indem sie Geld oder Essen spendet. Jedoch sind die Menschenrechtsaktivist*innen selbst in Gefahr, sie erhalten Morddrohungen und brauchen selbst Schutz.

Die von Nadja Barrientos geschilderten Bedrohungen der Migrant*innen in Mexiko zeigten wir auch durch die vierteilige Kurzfilmreihe "The Invisibles" ("Die Unsichtbaren") von Marc Silver und Gael García Bernal. Alle vier Teile kann man sich online anschauen.

Am vergangenen Montag kamen etwa 120 Leute zur Eröffnung unserer Veranstaltungsreihe "Flucht und Asyl"! Wir haben uns riesig über das große Interesse am Vortrag, den Kurzfilmen und der Ausstellung gefreut - und ganz besonders über die 90 Euro Spenden. Wir werden sie wie angekündigt für Socken nutzen, die in der mexikanischen Herberge "Hermanos en el Camino" an MigrantInnen verteilt werden. (Mehr zur Spendenaktion: http://www.sendsocks.org/) Ein großer Dank geht auch noch einmal an unsere Referentin Nadja Barrientos!

Die Fotoausstellung ist übrigens noch bis zum Donnerstag (21.11.13) im Foyer des Hörsaalgebäudes (2. OG) zu sehen!Informationen zur Ausstellung und einige der Bilder sind auf dem Blog http://unsichtbareopfer.wordpress.com/ zu sehen.