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Vorstellungsrunde im Anschluss an die szenische Lesung

Besucheransturm auf die Asyl-Monologe

Ali aus Togo, der auf der Flucht nach Deutschland seine Familie zurückließ, Felleke, der aus Äthiopien flieht und erbittert gegen seine Abschiebung ankämpft, und Safiye, die dem Asylbewerberheim mit denselben Empfindungen begegnet wie ihrem Gefängnis in der Türkei – um die Schicksale dieser drei Personen ging es am vergangenen Freitag bei der Aufführung der Asyl-Monologe im LOFFT. Ein kurzer Bericht.

Großer Andrang

Wir hatten natürlich gehofft, dass unsere viele Werbung etwas bringen würde - aber mit so einem Andrang am Vorstellungsabend hatten wir nicht gerechnet: An die 300 Menschen wollten die Asyl-Monologe sehen! Zwar freuten wir uns über das große Interesse, aber leider konnten wir nur 100 Leuten im LOFFT am Lindenauer Markt Platz bieten. Grund genug, dass die Asyl-Monologe in Zukunft wieder einmal in Leipzig aufgeführt werden sollten...

Die Monologe und die Menschen dahinter

Wer nun das Glück hatte, eine Eintrittskarte zu bekommen, konnte den Geschichten von Safiye, Ali und Felleke zuhören, vorgetragen von drei SchauspielerInnen der Bühe für Menschenrechte. Die Lebensläufe dieser drei Menschen fesselten das Publikum am vergangenen Freitag, wozu die lebhaften Vorträge der drei SchauspielerInnen, untermalt vom Violinenspiel von Dörte Heidegger, erheblich beitrugen. Besonders nachdenklich stimmt einen die Tatsache, dass nichts davon Fiktion ist, sondern dies die wahren Lebensgeschichten dreier (ehemaliger) AsylbewerberInnen sind, die in Deutschland mit unverständlichen bürokratischen Hürden konfrontiert worden sind.

Safiye...

berichtet dem Zuhörer zunächst davon, wie es ist, als Angehörige der kurdischen Minderheit in der Türkei aufzuwachsen. Sie erlernt die kurdische Sprache trotz des Verbots ihrer Eltern und stößt erstmals während ihres Studiums auf weitere Frauen, die sich politisch für die Rechte der Kurden in der Türkei einsetzen und damit der Beobachtung und Repression der Regierung in Ankara ausgesetzt sind. Auch Safiye wird eines Tages für ihr Engagement festgenommen und nach tagelanger Folter dazu bewegt, ein Schuldgeständnis zu unterschreiben. Aus ihrer Zeit in den Gefängnissen, in denen sie ihre Haft absitzen muss, berichtet sie von gewalttätigen Übergriffen der Wärter auf die gefangenen Frauen und von ihrer Todesangst, die zu einem Teil des Alltags wird. Nach ihrer Entlassung fürchtet sich ihre Familie so sehr um eine erneute Verurteilung, dass sie Safiye zum Auswandern überredet. In Deutschland angekommen, wird sie in einem Asylbewerberheim untergebracht, über dessen Mauern sie klettert und flieht, um sich nicht erneut so eingesperrt wie in einem Gefängnis zu fühlen. Während ihr die Behörden sämtliche Hoffnungen auf eine Annahme ihres Asylantrages zunichte machen, lernt sie ihren spätern Ehemann kennen, einen ehemaligen kurdischen Widerstandskämpfer. Sie heiraten und besiegeln ihr Glück damit, einem Kind das Leben zu schenken.

Ali...

aus Togo, der seit seiner Kindheit mit einem lahmen Fuß leben muss, ein aktiver Unterstützer der Oppositionsbewegung, welche sich der langjährigen Militärdiktatur von Gnassingbé Eyadéma widersetzt und demokratische Wahlen fordert. Getrieben von der Angst einer politischen Inhaftierung, lässt er widerwillig seine Familie zurück, ohne sich von ihr verabschieden zu können, und sucht Zuflucht in Deutschland. Dort erfährt er die Unterstützung anderer Asylbewerber, die gemeinsam die Hürden der Einwanderungsbehörde überwinden wollen. Von seinen Freunden wird er „Präsident“ genannt, da er sich unermüdlich mit den Sorgen anderer Asylbewerber befasst, ohne über seine eigene Zukunft Gewissheit zu erlangen. Sein Gesundheitszustand, um den man sich in Togo nicht ausreichend kümmern kann, ist schließlich der Grund dafür, dass ihn die Einwanderungsbehörde nicht abschiebt. Aber auch in Deutschland stößt seine Behandlung auf bürokratische Hindernisse.

Vorstellungsrunde im Anschluss an die szenische Lesung

Felleke...

erinnert sich daran, als Kind keinesfalls völlig verarmt, sondern sogar etwas rundlich gewesen zu sein. Allerdings fordert die zunehmende Armut in Äthiopien von jedem ihren Tribut, vor allem, als 1998 der Krieg mit dem benachbarten Eritrea ausbricht. Zu den Aufgaben Fellekes, der eine medizinische Laufbahn eingeschlagen hat und gegen diesen Krieg ist, gehört es, potentielle Soldaten auf ihre Eignung zu überprüfen. Wegen der Unzufriedenheit seiner Vorgesetzten mit seiner Arbeit wird er in den Kriegsdienst eingezogen und in ein Feldlazarett versetzt. Er erzählt dem Zuschauer davon, wie er in diesem Lazarett einem verletzten Kindersoldaten auf Krücken wiederbegegnet, den er selbst zuvor als ungeignet eingestuft hat. Aufgrund seines zunehmenden Widerstandes gegen die Kriegspolitik wird ihm schließlich dazu geraten, das Land zu verlassen, was er zunächst ablehnt. Erst, als er von einer internationalen Konferenz in Brüssel zurückkehren soll, beschließt er auf seinem Rückweg, in Frankfurt am Main nicht mehr in das nächste Flugzeug umzusteigen, sondern stattdessen Asyl zu beantragen. Er wird mit den willkürlichen Entscheidungen der Einwanderungsbehörde konfrontiert, die ihn wegen eines Abkommens mit Äthiopien mehrmals ausliefern will. Nur mit äußerstem körperlichem Einsatz kann er sich gegen jeden dieser Abschiebeversuche wehren, bis er schließlich auf einen Sympathisanten unter den Beamten trifft, der zur Hilfe bereit ist.

Vorstellungsrunde

Im Anschluss an die szenische Darstellung stellten sich Organisationen vor, die sich in Leipzig mit verschiedenen Themen rund um Asylrecht auseinandersetzen. Dabei handelte es sich neben Amnesty International um die Initiative Grenzenlos, den Flüchtlingsrat Leipzig, Medinet, Chronik LE und die Save me Kampagne Leipzig. Stefanie Krüger stellte eine von ihr geplante Initiative vor, die sich mit Bildungsarbeit zum Thema Asylrecht beschäftigen soll und warb um UnterstützerInnen.

Danke

Wir von der Amnesty International Hochschulgruppe wollen uns für die erfolgreiche Aufführung bei der Bühne für Menschenrechte, den KünstlerInnen und den Podiumsgästen bedanken - sowie vor allem bei den engagierten Studentinnen, die den Abend in Leipzig mit uns zusammen organisiert haben!